Merkel gegen Steinmeier: Was heißt hier “gegen”?

Sep 22 2009

Nach der medialen Vorbereitung des von den Fernsehsendern als Event produzierten Rededuells der beiden Spitzenpolitiker konnten selbst realistische Naturen vergessen, dass Merkel und Steinmeier vor allem in einem Punkt auf Augenhöhe sind: Sie haben beide in etwa soviel Profil wie eine auf den Boden gefallene Kugel Eis.

Merkel und Steinmeier

Merkel und Steinmeier

So kam es denn auch, wie es kommen musste: Beide waren bemüht, den gepflegt gelangweilten Zuschauer nicht durch unnötige Fakten oder gar Charisma oder etwa Begeisterung zu verwirren. Vorgegaukelte Sachlichkeit war Trumpf: Bloß keine Angriffsfläche bieten! Das ihnen leider nur zahlenmäßig überlegene Moderatoren-Quartett fütterte die beiden Politik-Maschinen über neunzig Minuten mit Fragen. Und irgendwie kam auf der anderen Seite immer eine Antwort heraus: Nichts Visionäres, nichts Unerwartetes, eine einzige Reproduktion des Todes, die sich auch in der Sprache äußerte, in der eine Phrase die nächste ablöste.

Dieses blutleere Duell, das keines sein konnte, dürfte die Politikverdrossenheit im Land nur weiter fördern. Das Motto einer solchen Veranstaltung hätte man nicht mit “Merkel gegen Steinmeier”, sondern ehrlicherweise mit “Merkel und Steinmeier gegen alle, die in der Politik Ideen, Mut und Ausstrahlung vermissen” umschreiben sollen. Grässlich. Es bleibt nur zu hoffen, dass solche farblosen Auftritte von Vertretern der beiden großen Volksparteien die Wähler nicht in die Hände der Populisten vom linken und rechten Rand treiben. Langfristig gesehen darf die vorsichtige Hoffnung geäußert werden, dass aufstrebende Nachwuchspolitiker ihre Lehren aus diesem beiderseitig schwachen Auftritt ziehen und sich in ihrem Charakter nicht so lange polieren lassen, bis sie jegliche Ecken und Kanten verloren haben.

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